Posted by Anette Lauerer on Feb 18, 2012 in
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Berufsfindung,
Interview,
Schule

Schulzeit und Berufsfindung, Interviews
Gerd Krauss, 56
interviewt von Anette Lauerer
„Wann und wo bist Du eingeschult worden?“
„1962 in der Volksschule Allendorf, das ist jetzt Großgemeinde Greifenstein, Nähe Herborn und Wetzlar.“
„Welche Erinnerungen hast Du an Deine Grundschulzeit?“
„Positiv, da fällt mir zum Beispiel ein Herr Truckenbrodt ein, der mein Klassenlehrer war. Ich bin gerne in die Schule gegangen.“
„Wo warst Du dann?“
„Danach war ich auf dem Philippinum in Weilburg, das ist ein Gymnasium, wo ich auch mein Abitur gemacht habe.“
„Welches waren Deine Lieblingsfächer?“
„Meine Lieblingsfächer waren Gemeinschaftskunde, Deutsch und Englisch.“
„Was ist Deine unangenehmste Erinnerung an die Schule?“
„Da fällt mir eigentlich keine ein, alles war prima.“
„Was ist Deine schönste Erinnerung an die Schule?“
„Die Mädels. Ich nenne jetzt keine Namen. Lächelt. Auch die Jugendclique war toll. Insgesamt war meine Schulzeit eine schöne Zeit.
„Hast du immer Deine Hausaufgaben gemacht?“
„Ich habe mich immer bemüht, in der Regel hatte ich sie gemacht. Vor allem der Englisch-Lehrer hat sich immer sehr aufgeregt, wenn man sie mal nicht gemacht hatte.“
„War Nachhilfe ein Thema?“
„Nein, das brauchte ich nicht, ich kenne auch keinen anderen, der Nachhilfe hatte.
„Glaubst du, dass Schule früher einfacher war als heute?“
„Einfacher würde ich nicht sagen, aber anders. Sprich, es wurde nicht so Druck auf die Schüler ausgeübt, die Schüler haben früher mehr Allgemeinbildung bekommen und es wurde ganzheitlicher gearbeitet, im Vergleich zu heute. Da fällt mir jetzt auch Heimatkunde ein, wo wir Karten zeichneten und Bodenschätze einzeichneten, dafür ist heute keine Zeit mehr. Meines Erachtens wird heute von Lehrern, Eltern und den Schulorganisatoren (Lehrpläne + Prüfungsanfoderungen) zu viel Druck ausgeübt, der sowieso nichts bringt, außer Stress.“
„Wann hast Du den Abschluss gemacht und wie ging es dann weiter?“
„Mein Abitur habe ich 1974 gemacht, danach studierte ich auf Lehramt Deutsch und Sozialkunde. Nach dem ersten Staatsexamen ich bei der Mittelhessischen Anzeigenzeitung gearbeitet, weil es keine Referendariatsstellen in ausreichender Zahl gab. Dann habe ich beim Studienseminar Offenbach das 2. Staatsexamen gemacht, 1982. Danach arbeitete ich für das Beamtenheimstättenwerk, das ist eine Bausparkasse (heute BHW), weil ich Geld verdienen musste und es mit meiner Fächerkombination selbst mit einer glatten 1 keine Chance auf Einstellung gegeben hätte. 1987 machte ich dann bei Nixdorf eine Umschulung zum System-Analytiker und habe dann in Lauf an der Pegnitz in einem Softwarehaus gearbeitet.
„Hat sich beruflich noch was verändert bei Dir?
„Später arbeitete ich selbstständig mit einem Partner bis 1994 in der EDV.
„Was machst Du heute?“
„Ich arbeitet für die-andere-schule als Deutsch- und Lateinlehrer. Außerdem bin ich zertifizierter LRS-Trainer. Des Weiteren betreibe ich mit viel Freude einen mobilen Reiseservice.“
…die Reihe wird fortgesetzt.
Posted by Anette Lauerer on Jan 16, 2012 in
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Laut einer heutigen dpa-Meldung, gefunden in der Frankfurter Rundschau, haben 2 von 3 Studierenden mindestens einen Elternteil mit einem Hochschulabschluss. Wie viele vom restlichen Drittel das Studium abbrechen oder auch weniger lukrative Studiengänge auswählen ist leider nicht erwähnt. Deutschland ist Schlusslicht, laut der dort erwähnten Analyse des 4. Eurostudent-Reports http://www.eurostudent.eu/download_files/documents/Eurostudent_deutsch_web_21.12.2011.pdf, gleichauf mit Kroatien, Polen, Lettland und der Slowakei.
Da passt doch direkt dazu, dass die Lehrerschaft noch schlechter ausgebildet werden soll, so werden in Hessen die Ausbilderstellen erheblich zusammengestrichen. Siehe Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 13.01.2012 http://www.fr-online.de/rhein-main/schulen-in-hessen-sparen-bei-der-lehrerbildung,1472796,11440590.html
So fallen zunächst 10 % der Lehrerausbilder sofort weg, zum neuen Schuljahr erneut 10 %. Die verbleibenden Ausbilder sollen 6 Unterrichtsstunden übernehmen, so dass mit Vor- und Nachbereiten rund 9 Zeitstunden in der Woche für die Lehrerausbildung wegfallen. Alles in allem – wenn ich das mal grob überschlage – eine Kürzung von rund 40 %.
Wie passt das zu einem angeblich angestrebten hohen Qualitätsanspruch für angehende Lehrer? Und wer darf das ausbaden? Schlecht ausgebildete Lehrer die dann auf die Schüler losgelassen werden und sich dort dann den Unmut der Eltern zuziehen, die den Esel (das Ministerium) meinen und im übertragenen Sinn den Sack (den Lehrer) schlagen. In der Folge werden sich nicht wenige Lehrer enttäuscht zurückziehen und fehlen dann als Taktgeber, Vorbild, Meinungsmacher gerade für die Jugendlichen, die von zuhause aus nicht/nicht ausreichend gefördert werden/gefördert werden können. Deren Eltern nicht selbst Unterstützung und Richtung geben können, die auch nicht das Geld haben, ihren Kindern anderweitig Zugang zu Bildung zu verschaffen. Keine Studie, keine Mahnung der OECD vermag hier irgendetwas zu bewegen. Es fehlt der politische Wille.
Immerhin gibt es einzelne, wertvolle Initiativen. Schulabgänger, die keinen Verwandten mit Hochschulabschluss haben, für ein Studium zu motivieren, hat sich http://arbeiterkind.de/ auf die Fahne geschrieben. Die Hertie-Stiftung fördert unter anderem angehende Lehrer und Erzieher mit Migrationshintergund. http://www.ghst.de/unsere-themen/stipendien-programme/ Lichtblicke in der – zumindest in meinen Augen – trostlosen Bildungswüste.
Posted by Anette Lauerer on Nov 8, 2011 in
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Schulzeit und Berufsfindung, Interviews
Philipp, 15
interviewt von Anette Lauerer
„Wann und wo bist Du eingeschult worden?“
„Oberusel, Grundschule am Urselbach. Das war 2002.“
„Welche Erinnerungen hast Du an Deine Grundschulzeit?“
„Ich war der Größte in der Klasse. Innerhalb der Grundschule hatte ich 3 verschiedene Klassenlehrerinnen. Die Klassen wurden aufgeteilt. Der größere Teil wechselte auf den früheren amerikanischen Stützpunkt Camp King und seine neue Schule. Deswegen sind wir aufgeteilt worden, weil auch ein Teil der Lehrerschaft wechselte. Das war unangenehm, weil man ständig in einen anderen Klassenverband kam.“
„Wo warst Du dann?“
„Ich wurde auf der Erich-Kästner-Schule in Oberusel angemeldet, bin dort aber nie gewesen, weil wir umgezogen sind nach Mauloff. Also ging ich auf die Max-Ernst-Schule in Weilrod-Riedelbach. Dort bin ich jetzt in der 9. Klasse der Realschule“
„Welches sind Deine Lieblingsfächer?“
„ Physik, Chemie und Sport.“
„Was ist Deine unangenehmste Erinnerung bisher an die Schule?“
„Es war bisher eigentlich nichts so richtig unangenehm.“
„Was ist Deine schönste Erinnerung bisher an die Schule?“
„Das war letztes Jahr, als ich bei den Bundesjugendspielen den 2. Platz erreichte.“
„Machst Du immer Deine Hausaufgaben?“
„Oft schon, manchmal nicht.“
„Hast Du jemals Ärger wegen der Schule zuhause bekommen?“
„Nicht sehr oft, weil meine Eltern eher cool drauf sind.“
„Ist Nachhilfe ein Thema?“
„Ja, im Moment noch, früher alle Hauptfächer, jetzt nur noch Mathe.“
„Glaubst du, dass Schule früher einfacher war als heute?“
„Nein. Meine Eltern erzählen aber auch nicht so viel über ihre Schulzeit.“
„Wann wirst Du den Schulabschluss machen und wie planst Du dann weiter?“
„Ich werde 2013 den Realschulabschluss machen und bin mir sicher, dass ich dann eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik machen werde, weil Technik absolut meine Welt ist.“
Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?
„Ich habe vor in Mauloff wohnen zu bleiben, weil es eine wunderschöne Landschaft ist und es mir da gefällt. Beruflich habe ich geplant, nach der Ausbildung noch Tontechnik zu studieren; ich bin ja jetzt schon Chef im Bereich Ton- und Lichttechnik an der Max-Ernst-Schule. Meine Traumstelle wäre als Veranstaltungstechniker bei Electro Voice, die Equipment für Tontechnik herstellt.“
…die Reihe wird fortgesetzt.
Posted by Anette Lauerer on Okt 28, 2011 in
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Schulzeit und Berufsfindung, Interviews
Claudia Bröse, 47
interviewt von Anette Lauerer
„Wann und wo bist Du eingeschult worden?“
„Ich wurde 1971 in der Mozartschule in Elsenfeld eingeschult, das liegt in Unterfranken. Die Schule ist leider nicht mehr existent, sie wurde abgerissen, letztes Jahr.“
„Welche Erinnerungen hast Du an Deine Grundschulzeit?“
„ Relativ wenig, meistens habe ich zuviel geschwätzt. Die Lehrer waren eigentlich alle sehr angenehm. Einmal wurde ich von Mitschülern verprügelt.“
„Wo warst Du dann?“
„Nach der Grundschule bin ich die Realschule gewechselt. Ich wollte eigentlich auf das Gymnasium, aber meine Eltern meinten, ich bräuchte das ja nicht unbedingt. Und auch die Lehrerin war sich nicht sicher, ob ich gut genug sei.“
„Welches waren Deine Lieblingsfächer?“
„ Musik, Deutsch. Ja, auch so die praktischen Sachen wie Handarbeit, haben mir auch Spaß gemacht.“
„Was ist Deine unangenehmste Erinnerung an die Schule?“
„Eine 6 in Mathe. Ich hatte alle Aufgaben gelöst und war der Meinung, dass ich es wirklich gut gemacht hätte. Raus kam allerdings dann eine glatte 6. Das stürzte mich in Mathematik in eine ziemlich depressive Phase. Das war in der 9. Klasse.
Ich glaube ich habe damals 2 Wochen gebraucht, bis ich das meinen Eltern beichten konnte. Daran kann man sehen, in welche Probleme mich das stürzte.
Außerdem will mein Sohn aus diesem Grund kein Mathe mit mir lernen, weil ich in Mathe dann nicht gut genug für ihn sei. Im Dreisatz bin ich aber allemal besser als er.“
„Was ist Deine schönste Erinnerung an die Schule?“
„Ein ganz toller Deutschlehrer, der uns Schülern Deutsch mit viel Spaß vermittelt hat und der zumindest bei mir Lust auf Deutsch geweckt hat. Seinen Namen weiß ich nicht mehr, nur dass er einen Schnauzbart hatte und ich einmal eine Personenbeschreibung über ihn anfertigte, welche von ihm der ganzen Klasse vorgelesen wurde.“ Lacht. „In Details hatte ich ihn beschrieben, auch den Gang und wie beim Reden sein Schnauzbart wackelte. Darauf bekam ich eine 1.“
„Hast du immer Deine Hausaufgaben gemacht?“
„Meistens, es gab auch auch Fälle wo ich sie nicht gemacht habe. Ich glaube, im Großen und Ganzen war ich eine ganz passable Schülerin.“
„War Nachhilfe ein Thema?“
„So etwas gab es bei uns gar nicht. Ich wüsste auch gar nicht, wer so etwas angeboten hätte.“
„Glaubst du, dass Schule früher einfacher war als heute?“
„Da muss ich eine Weile überlegen. Man kann es nicht unter „einfacher“ ablegen. Es werden heute andere Anforderungen gestellt auch an das Wissen und Können der Schüler und ich könnte nicht sagen, es wäre früher einfacher gewesen. Es war sicher genauso schwierig z. B. Englisch zu lernen, da könnte ich keinen Unterschied feststellen. Was ich mir im Nachhinein für meine Schulzeit gewünscht hätte, wäre was Schüler heute vermittelt bekommen, wie z. B. Wie präsentiere ich mich?, das gab es früher nicht. Da hat sich die Schule an die heute benötigten Kompetenzen angepasst.“
„Wann hast Du den Abschluss gemacht und wie ging es dann weiter?“
„1981 habe ich die Realschule mit der Mittleren Reife beendet und hatte keine Vorstellung, was ich beruflich machen will. Meine Mutter meinte dann: “Kind mach was kaufmännisches, damit kannst Du immer etwas anfangen.” Und dann habe ich mich für einen Aufbildungsplatz als Bankkaufmann (nannte man das damals noch) beworben. Den habe ich bekommen. Damals habe ich bei einer kleinen Bank im Spessart, Heimbuchental, Nähe Mespelbrunn mit seinem schönen Schloss diese Ausbildung absolviert. “
Hat sich beruflich noch was verändert bei Dir?
„Nach der Ausbildung wurde ich nicht übernommen, mein Chef – der eine – konnte mich nicht leiden. Und hat es mir dann auch bei allen anderen Banken in der Nähe vermiest. Daraufhin wechselte ich dann zu einer Bank in Frankfurt, habe mich dort im Wertpapierbereich spezialisiert. Dann bin ich irgendwann zum Rechenzentrum der Börse als Kundenbetreuerin, denn ich wollte unbedingt den Kundenkontakt. Das war für mich damals das Beste, was mir passieren konnte. Ich konnte im Prinzip die Abteilung mit aufbauen, habe viele Fortbildungen genossen, die für mich auch heute noch wichtig sind und bin dann später zur Börse in den Vertrieb gewechselt. In dieser Zeit habe ich noch meine Ausbildereignungsprüfung und zeitgleich das Bankfachwirtstudium im Abendstudium durchgezogen. Das war eine sehr harte Zeit, mit wenig Freizeit und wenig Freunden. Ich habe es nie bereut, diese Zusatzausbildung draufzusatteln, weil es eine wertvolle Grundlage für alles was ich später gemacht habe war.
„Was machst Du heute?“
Heute bin ich gar nicht mehr im Bankbereich tätig, nutze aber meine Kenntnisse aus dem Bank- und Wirtschaftsbereich für die Leitung der Freiwilligen-Agentur in Neu-Anspach www.freiwilligen-agentur.net , die ich auch aufgebaut habe. Wichtige Kompetenzen, die hierbei benötigt werden sind: Projekte zu managen, Mitarbeiter zu führen, im Team zu arbeiten und immer offen für Neues zu sein. Bei all dem, was ich gemacht habe, trotz aller Widrigkeiten, erfordert es natürlich auch sehr viel Stehvermögen und Durchhaltevermögen, um die Ziele auch zu erreichen. Inzwischen gelingt mir das gut und vor allem der Kontakt mit Menschen aus vielfältigen Bereichen, wie Ehrenamtlichen, Verwaltung, Unternehmen, Schulen etc. stellt einen immer wieder vor neue Herausforderungen, macht das Ganze aber deshalb auch immer wieder interessant.“
… die Reihe wird fortgesetzt
Posted by Anette Lauerer on Okt 21, 2011 in
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Berufsfindung,
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Schule
Schulzeit und Berufsfindung, Interviews
Michael Gruber, 49
interviewt von Anette Lauerer
„Wann und wo bist Du eingeschult worden?“
„1968, würde ich mal vermuten, in Bad Homburg.“
„Welche Erinnerungen hast Du an Deine Grundschulzeit?“
„Ich hatte eine ganz tolle Lehrerin, in die ich verliebt war. Frau Günther war das.“
„Wo warst Du dann?“
„Nach der Grundschule war ich auf der Humboldtschule.“
„Welches waren Deine Lieblingsfächer?“
„ Hatte ich Lieblingsfächer? Ich hatte keine Lieblingsfächer, ich hatte nur Hassfächer. Deutsch und Französisch.“
„Was ist Deine unangenehmste Erinnerung an die Schule?“
„Sitzenbleiben in der 10. Klasse, weil mich mein Deutschlehrer reingerissen hatte.“
„Was ist Deine schönste Erinnerung an die Schule?“
„Abschlussfahrt der 10. Klasse, da bin ich mit meiner langjährigen Freundin zusammengekommen, mit der ich dann 4 Jahre zusammen war.“
„Hast du immer Deine Hausaufgaben gemacht?“
„Nein.“
„Hast Du jemals Ärger wegen der Schule zuhause bekommen?“
„Jaaaa. Das war aber viel früher und auch nicht wegen dem Sitzenbleiben. Das war in der 6. oder 7. Klasse. Aber das möchte ich jetzt nicht näher ausführen.“
„War Nachhilfe ein Thema?“
„Nein. Das war zu unserer Zeit, glaube ich bei überhaupt niemandem ein Thema. Ich würde in der ganzen Klasse niemanden kennen, der Nachhilfe gehabt hätte. Oder es war geheim.“
„Glaubst du, dass Schule früher einfacher war als heute?“
„Weiß ich nicht, aber ich glaube durch das G8 ist der Lernstoff schon sehr verdichtet. Also ich glaube, wir hatten zu unserer Zeit einfach mehr Zeit und deshalb konnte man auch noch Sachen machen, die nicht immer unbedingt was mit dem Stoff zu tun hatten. Also, hm, Sachen die eben mit der Situation in der Klasse oder mit Gruppenprozessen zu tun hatten. Da hab ich den Eindruck dafür ist überhaupt keine Zeit mehr in der Schule.“
„Haben sich die 68er auf Deine Schulzeit ausgewirkt?“
„Ja, doch. Ich glaube, dass die Lehrer – zumindest dann in der Mittelstufe beginnend – progressiver und kritischer als die Lehrer heute waren. Die sind jetzt alle auf Mainstream gebürstet.“
„Wann hast Du den Schulabschluss gemacht und wie ging es dann weiter?“
„Ich bin 1979 nach der 10. Klasse abgegangen und hatte dann automatisch den Realschulabschluss. Damals gab es für die Realschule noch keine Prüfungen.“
Und deine erste Stelle?
„Ich bin direkt von der Schule zur Bundeswehr und da war ich 4 Jahre. Später habe ich dann Bankkaufmann gelernt.“
Hat sich beruflich noch was verändert bei Dir?
„Ich habe nie als Bankkaufmann gearbeitet, sondern war dann fast 20 Jahre im Immobiliengeschäft tätig.“
„Was machst Du heute?“
„Heute mache ich Suchmaschinenoptimierung und Internetmarketing als Selbstständiger. Selbst und Ständig.“
…die Reihe wird fortgesetzt
Jedes Jahr vor Weihnachten werde ich wieder gefragt, welche Spielkonsole, welches Laptop oder welches sonstige elektronische Gymmik das beste Geschenk für ein Kind sei. Damit ich es nicht wieder umständlich erklären muss, wo der Vorteil bei dem von mir favorisierten Buch liegt, hier ein Video, welches alle Ihre Fragen umfassend beantworten wird:
http://www.youtube.com/watch?v=01lKFuA__VM
übrigens: Weihnachten kommt schneller als man denkt, versäumen Sie also nicht, rechtzeitig den Buchladen Ihres Vertrauens aufzusuchen!

Schulzeit und Berufsfindung, Interviews
Hans-Jürgen Giller, 58
interviewt von Anette Lauerer
„Wann und wo bist Du eingeschult worden?“
„Ostern 1959 bin ich eingeschult worden. Zu dieser Zeit begann das Schuljahr immer im Frühjahr. Das war in einem kleinen Dorf im Sauerland.“
„Welche Erinnerungen hast Du an Deine Grundschulzeit?“
„Wir waren mit 4 Klassen in einem Raum. Die Lehrerin hat alle Fächer unterrichtet und auch alle Klassen. Wenn sie sich einer Klasse widmete, mussten die anderen still sein und Aufgaben lösen.“
„Wo warst Du dann?“
„Dann habe ich, wie es früher meist üblich war, weiter die Volksschule besucht. Wir waren der erste Jahrgang, der dieses 9 Jahre machte. Vorher gab es nur die 8-jährige Volksschulzeit.“
„Welches waren Deine Lieblingsfächer?“
„ Das kann man so nicht sagen. Höchstens umgekehrt. Sprachen waren nicht so meine Welt. Das mag aber auch an dem Lehrer gelegen haben, bei dem ich meine ersten Gehversuche in Englisch machen durfte. Das hat sich dann bei dem Schulwechsel deutlich herausgestellt, da die anderen schon sehr viel weiter waren und ich immer damit beschäftigt war, aufzuholen und somit immer schlechte Noten hatte.“
„Was ist Deine unangenehmste Erinnerung an die Schule?“
„So richtig unangenehm war da nichts. Ich musste nur einmal den Raum verlassen, da ich einen Witz während des Unterrichts erzählt habe und ich selbst am meisten darüber lachen musste.“
„Was ist Deine schönste Erinnerung an die Schule?“
„Eigentlich gibt es da 2 Erinnerungen: die erste – mir ist es wie Schuppen von den Augen gefallen – als ich endlich das Buchführungsprinzip verstanden habe, ab da ging alles wie von selbst. Und das zweite Mal sollte ich im Fach Politik eine Hausarbeit anfertigen bei einem neuen Lehrer, der gerade von der Hochschule kam. Das Thema „die Parteienlandschaft in Deutschland“. Wie ich schnell feststellte war das das Lieblingsthema dieses Lehrers und hierzu hatte er in seinem Studium selbst eine Arbeit angefertigt, die er mir zur Verfügung gestellt hat. Ich habe das Ganze dann nur noch verdichtet und die 1 war mir sicher, da er seine Arbeit noch einmal würdigen musste. Natürlich wussten die anderen Schüler davon nichts.“
„Hast du immer Deine Hausaufgaben gemacht?“
„Meistens oder spätestens im Zug noch schnell abgeschrieben.“
„Hast Du jemals Ärger wegen der Schule zuhause bekommen?“
„Da kann ich mich nicht dran erinnern.“
„War Nachhilfe ein Thema?“
„Nein, das wurde bei uns damals nicht angeboten.“
„Glaubst du, dass Schule früher einfacher war als heute?“
„Es war vielleicht nicht ganz so stressig, da auch weniger Stoff vermittelt wurde.“
„Haben sich die 68er auf Deine Schulzeit noch ausgewirkt?“
„Auf die Schulzeit nicht mehr aber auf mein Studium. Es wurde viel diskutiert und auch protestiert. Natürlich habe ich da mitgemacht.“
„Wann hast Du den Schulabschluss gemacht und wie ging es dann weiter?“
„Nach Besuch der Handelsschule und Fachoberschule 1971 habe ich Betriebswirtschaftslehre studiert. Zunächst mit dem Schwerpunkt Personal- und Ausbildungswesen und später Marketing.“
Und deine erste Stelle?
„Meine erste Stelle war als Trainee in einer Werbeagentur in Düsseldorf.”
Hat sich beruflich noch was verändert bei Dir?
„Wie das im Berufsleben so ist, habe ich meine Karriere als Marketingberater in verschiedenen Agenturen Schritt für Schritt vorangebracht, zuletzt als Management Supervisor. Mein Schwerpunkt war hier Handelskommunikation.“
„Was machst Du heute?“
„Heute bin ich selbstständiger Marketingberater, seit 8 Jahren.“
… die Reihe wird fortgesetzt.

Schulzeit und Berufsfindung, Interviews
Klaus Gebert, 68
interviewt von Anette Lauerer
„Wann und wo bist Du eingeschult worden?“
„In Waren an der Müritz (Ost), dort war ich von 1950 bis 1952, dann siedelten wir über nach Essen (West)“
„Welche Erinnerungen hast Du an Deine Grundschulzeit?“
„ Frau H., Klassenlehrerin, Mitglied SED, bestrebt uns zu den Jungen Pionieren abzukommandieren, was ihr auch gelang.“
„Wo warst Du dann?“
„Realschule für Jungen am Porscheplatz in Essen.“
„Welches waren Deine Lieblingsfächer?“
„ Mathe und Deutsch, Musik lag mir nicht.“
„Was ist Deine unangenehmste Erinnerung an die Schule?“
„Herr R., alter Nazi, schlug uns mit dem Lineal auf Kopf und Finger, wenn wir dem Unterricht nicht mit hell leuchtenden Augen folgten.
Ich fand es auch bedauerlich, dass keine Mädchen an der Schule waren.“
„Was ist Deine schönste Erinnerung an die Schule?“
Meine Deutschlehrerin, Frau Dr. Sasse, die uns mit mütterlicher Einfühlsamkeit in die deutsche Literatur einführte.“
„Hast du immer Deine Hausaufgaben gemacht?“
„Ne! Die Vokabeln hab ich auch nicht immer gelernt.“
„Was waren die Konsequenzen?“
„Eintrag ins Klassenbuch und einmal ein blauer Brief.“
„Hatte der blaue Brief weitere Folgen zu Hause?“
Mutter hatte ihn abgefangen, sprach mit dem alten Weihert, meinem Englischlehrer, der mir dann ein verstärktes Vokabellernprogramm auferlegte.
„War Nachhilfe ein Thema?“
„Ne! Es war kein Geld dafür da, außerdem war ich nur faul.“
„Glaubst du, dass Schule früher einfacher war als heute?“
„Ich glaube das nicht, aber die Schüler waren früher disziplinierter, was für die Lehrer natürlich einfacher war. Zum Beispiel stand der Klassenälteste (heute Klassensprecher) bei Eintreten des Lehrers auf und meldete die Klassenstärke.“
„Wann hast Du den Abschluss gemacht und wie ging es dann weiter?“
„1959/60 in Münster, Realschulabschluss. Lehre als Werkzeugmacher, anschließend habe ich als Monteur in Schweden + Belgien gearbeitet. Dann bei PAN-American Airways als Flugmaschinenmechaniker. Dann bin ich der Bundeswehr aus dem Weg gegangen indem ich mich 3 Jahre bei der Polizei verpflichtete. Wegen der wirtschaftlichen Schieflage in dieser Zeit, 1967, entschloss ich mich aufgrund meiner guten Prüfungsergebnissen die Laufbahn im gehobenen Dienst einzuschlagen. Seinerzeit war die Voraussetzung der Besuch der Fachoberschule in Offenbach, die ich im Rahmen der Polizeiausbildung, 9 Monate ganztags besuchte. Ich fand, die Unterrichtsmethoden sehr effektiv, weil jeder Schüler in der Stunde auch dran kam. Selbst wenn man danebenlag, dann wurde man auf den Pfad der Lehre zurückgeführt.“
„Haben sich die 68er auf Deine Schulzeit noch ausgewirkt?“
„Nein das würde ich nicht sagen.“
Hat sich beruflich noch was verändert bei Dir?
“Durch die vielfältigen Möglichkeiten bei der hessischen Polizei konnte ich an und für sich eine berufliche Zufriedenheit sicherstellen. Ich arbeitete als Hauptkommissar/Dienststellenleiter im Bereich Fahndung und Ermittlung bei der Polizei bis 2003, dann wurde ich in den Ruhestand versetzt.”
… die Reihe wird fortgesetzt.
Seit Jahren erfreuen sich Bildungsratgeber einer sehr großen Beliebtheit, so auch die “alles was man lesen/wissen/können muss-Ratgeber”. Der bekannteste ist sicherlich “Bildung – alles was man wissen muss” von Dietrich Schwanitz um den es hier aber nicht gehen wird. Üblicherweise enthalten alle diese Ratgeber zum Thema Literatur eine Auswahl an immens wichtigen Büchern an denen, so wird behauptet, man nicht vorbei komme, chronologisch geordnet und der eher unwissende, sich noch auf der Suche befindenden Leser wird angesichts des übergroßen Faktenwissens schier erschlagen, sofern er überhaupt mehr als das Inhaltsverzeichnis liest.
Auch mit “Allgemeinbildung – Werke der Weltliteratur: Das muss man wissen” aus dem Arena-Verlag wird es nicht ansprechender und ebenso mit der Ausgabe für Schüler: “Allgemeinbildung, Werke der Weltliteratur, das musst Du wissen”, wird der Auftrag, Bildung an den Mann, die Frau, das Kind zu bringen nicht pädagogisch wertvoller ausgeführt.
Unter diesen ganzen Ratgebern, die jedes Jahr von wohlmeinenden Tanten und anderen Anverwandten hoffnungsfroh unter den Weihnachtsbaum gelegt werden – auf dass das Kind endlich lese – sticht eines leuchturmgleich heraus, wobei man den Eichborn Verlag, das ist der mit der Fliege, zwar nicht für den Inhalt – der ist ganz hervorragend – wohl aber für den Titel rügen muss. Auch hier heißt es eher absschreckend, als einladend: “Bücher, alles was man lesen muss”, zusammengetragen und kommentiert von Christiane Zschirnt und das Werk enthält, man mag es kaum glauben, ein ganz hervorragendes und gut zu lesendes Vorwort von dem anfangs erwähnten Dietrich Schwanitz.
Was aber macht dieses Buch so anders und so nützlich für den Leser? Christiane Zschirnt hat die von ihr gewählten Werke nicht chronologisch, sondern nach Themen geordnet, was vor allem dem unerfahrenen Leser nützt und den erfahrenen Leser freut. So befinden sich sowohl der (hoffentlich) allseits bekannte “Robinson Crusoe”, als auch “das Kapital” von Karl Marx im gleichen Kapitel: “Wirtschaft”. Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer treffen sich natürlich im Kapitel “Frauen” und was im Kapitel “Sex” zu finden ist, soll hier nicht verraten werden.
Viele der in diesem Buch besprochenen Bücher finden sich auch in den anderen, einschlägigen Leitfäden, neu ist das liebevolle Einsortieren in einen Kontext, der Lust macht auf mehr. Man mag dieses Buch jedem Deutschlehrer mitgeben, der doch in aller Regel für Literatur brennt und dem es dann gelingen möge, ein Feuer in den Herzen der Schüler zu entzünden. Aber auch für den Neuling in Sachen Literatur ist das Buch zur Orientierung eine große Hilfe, um dann die Literatur im Original und in Gänze zu lesen, auf die man spontan Lust bekommen hat.
Schade nur, dass der Kanon in den Buchläden vergriffen ist, was vermutlich an der wirtschaftlichen Schieflage des Verlages liegt, wobei beim Versandhändler Amazon* das Buch second-hand erhältlich ist. Und um die Eingangsfrage zu beantworten: Nein, man muss nicht alles lesen, aber vieles darf mit Freude gelesen werden und dabei ist ein so gelungener Überblick sicher von großem Nutzen. In diesem Sinne: ich wünsche einen schönen Herbst, mit langen Abenden und guten Büchern, darunter das soeben besprochene.
*hier bei Amazon: http://www.amazon.de/B%C3%BCcher-Alles-was-lesen-muss/dp/3821816791/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1318776410&sr=8-1
Posted by Anette Lauerer on Okt 13, 2011 in
Leseförderung,
Nachhilfe,
Schule
Ich werde oft gefragt, ob bei Jugendlichen, die nicht sinnverstehend lesen können, noch irgendwas zu retten sei. Viele Menschen glauben, dass spätestens ab Beginn der Pubertät nichts mehr zu machen sei.
Vor etwa 8 Jahren hatte ich in einem Deutsch-Nachhilfekurs einen 14-jährigen Jungen, den seine Mutter völlig verzweifelt angemeldet hatte. Sein Zeugnis enthielt damals 6 Sechsen, an die restlichen Noten kann ich mich nicht mehr erinnern und musste folglich dann die Klasse wiederholen. Er war Kettenraucher, pubertätsbedingt schwer zu ertragen und so zugänglich wie ein Kaktus. Was also tun? Ich entschied mich damals, das Deutschbuch links liegen zu lassen und kopierte Artikel aus der Frankfurter Rundschau, die ich danach heraus suchte, ob sie etwas mit seinem (Er-)Leben zu tun hatten.
Ein Artikel hieß: “Willkommen in der Welt des Lungenkrebses” und wir brachten mehrere Stunden damit zu, einfach, weil er gar nicht gewohnt war, sich längere Texte zu erschließen. Wir lasen darüber, wie man den passenden Handytarif findet, über einen Unfallhergang, die Berichte einer Gerichtsreporterin und vieles mehr. Nach einem knappen Jahr, in dem er wirklich hart gearbeitet hat, sagte er eines Tages: “Gell, Frau Lauerer, wer die Rundschau nicht lesen kann, der wird da draußen immer nur verarscht.” Ich konnte ihm nicht widersprechen.
Ich erinnere mich gerne daran, gerade neulich wieder, als mich seine Nachricht in einem dieser wunderbaren virtuellen Netzwerke erreichte, die mir ermöglichen, mit meinen Schülern in Kontakt zu bleiben: ob ich mich noch erinnere an ihn, er würde mich mal besuchen kommen und im übrigen, er sei jetzt KFZ-Mechatroniker und mache demnächst seinen Meister.